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Alisa Weilerstein wirbt um romantische Lesung von Bach-Cellosuiten

Bachs monumentaler Satz von Sechs Suiten für Violoncello solo, obwohl allgemein mit großer Ehrfurcht angesehen, sind dennoch Werke, die kühne künstlerische Entscheidungen und interpretatorische Kühnheit erfordern, um sie zum Leben zu erwecken. Am Sonntag im UDC Theatre of the Arts stellte sich die amerikanische Cellistin Alisa Weilerstein dieser Herausforderung furchtlos und bot eine sehr individuelle und romantische Lesung des gesamten Zyklus in einem dreistündigen Marathon-Rezital.

Weilerstein, 34, hat sich im romantischen Repertoire einen Namen gemacht, und ihr Solo Bach trug den unverwechselbaren Stempel dieser Tradition. Ihr interpretativer Ansatz bevorzugte elastische Tempi, Legato-Phrasierungen und pointierte dynamische Kontraste. Sie erforschte endlos das weiche Ende des dynamischen Spektrums mit subtilen und exquisiten Farbabstufungen. Die Courantes waren schnell und dramatisch, während die langsamen Sarabandes, die die Fülle von Weilersteins herrlichem Ton hervorbrachten, eine karge und durchdringende Schönheit annahmen.

Manchmal jedoch löste Weilersteins rhapsodische Phrasierung rhythmische Spannungen auf und verschleierte den tänzerischen Charakter der Musik, insbesondere in den Menuetten der ersten beiden Suiten. Sie kämpfte auch, wie viele Cellisten, mit der tückisch hohen Tessitura der sechsten Suite, die ursprünglich für ein fünfsaitiges Instrument geschrieben wurde. Doch in der dritten Suite, dem Höhepunkt des Recitals, kam alles zusammen: das sonnige Prelude, die luftige Allemande, die rhythmisch wache Bourrees und die scharfe, belebende Gigue zum Schluss.

Beiläufige Informationen: Dieses Konzert war das erste klassische Konzert von Washington Performing Arts in dieser Saison an der University of the District of Columbia, während das Kennedy Center Terrace Theatre wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Für die intimen Solo- und Kammerkonzerte, die auf dem Programm stehen, ist das zweistöckige Proszenium-Theater mit 900 Sitzplätzen nicht besonders gut geeignet. In einer wenig schmeichelhaften Akustik musste Weilersteins geflüsterte Lyrik auch mit unerwünschter Begleitung zurechtkommen: einer lauten Lüftungsanlage (zum Glück in der Mitte der zweiten Suite abgeschaltet) und dem stetigen Zischen eines Thermostats. Während John Cage das Eindringen von Umgebungsgeräuschen geschätzt hätte, wäre Bach sicherlich unzufrieden gewesen.

ist der mars heiß oder kalt
Cellistin Alisa Weilerstein (Harald Hoffmann)