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Blondie: Marshmellow Sound, echte Sorge

Von all den sogenannten New-Wave-Bands, die ums Überleben kämpfen, hat es nur eine Band namens Blondie geschafft. Zwei offensichtliche Gründe für den weltweiten Erfolg der Band sind ihre Verschmelzung von Disco mit Rock auf dem Hit „Heart of Glass“ und der Glamour der Sängerin Deborah Harry, einer blonden Venus, die seit Marianne Faithfull zum größten Sexsymbol des Rocks geworden ist. Ein noch wichtigerer Grund liegt jedoch in Blondies Verbindung zum traditionellen Pop.

Blondie ist ein Straßenname, der Debbie Harry von Lastwagenfahrern verliehen wurde, als sie den Bürgersteig entlangsauste. Aber die Bank wurde immer instinktiv als Lagerhandlung kategorisiert, basierend auf der Annahme, dass sich ihr Name auf Dagwoods berühmte Frau bezieht. Und auf ihrem ersten Album schienen Blondie tatsächlich dem Camp-Stil verpflichtet zu sein. Wie taumelnde Raupen war die Bande in behaglicher Verspieltheit versunken. Mit Songs wie 'Attack of the Giant Ants' und 'Kung Fu Girls' wurde Blondie zum Gegenstück der New Wave zu 'Batman', das Gotham City mit komischer Erleichterung auf die Landkarte brachte.

Aber ihre erste Single, 'X Offender' (die Geschichte einer Nutte, die mit Handschellen an einen Polizisten gefesselt ist), ging in die entgegengesetzte Richtung von Papp-Cutups. Die Platte war eine perfekte Erweiterung des weiblichen Gruppensounds, der von den Crystals und den Ronettes veranschaulicht wurde. Es war sicherlich kein Zufall, dass auf Blondies Debüt-LP die Background-Vocals von Ellie Greenwich geliefert wurden, der Komponistin/Arrangeurin/Produzentin, die 1961-64 zusammen mit Phil Spector und Jeff Barry die überwältigende Welle weiblicher Gruppen schuf.

Auf 'Eat to the Beat' (Chrysalis CHE-1225), Blondies Nachfolger von letztjährigem Platin 'Parallel Lines' (Chr 1192), flüstert Ellie Greenwich immer noch im Schatten; die Stimme von Ronnie Spector ist immer noch die Inspiration der blonden Debbie. Obwohl sich fünf Männer Harrys Rampenlicht teilen, ist Blondie vielleicht die bedeutendste weibliche Gruppe der 70er.

Blondies Produzent Mike Chapman ist jedoch kein Phil Spector – er ist ein künstlicher, wenn auch polierter AM-Hitmacher. Chapman war mit seinem Kumpel Nicky Chinn ein Mastermind der frühen 70er hinter dem Glitzerrock Sweet, Suzi Quatro). Kürzlich hat er den Äther betäubt und Glanz von Nick Gilder, Exile, the Knack und Blondies 'Parallel Lines' produziert. Allerdings von selbst. Chapmans Formel ist wie ein flacher Tabulator; es ist allein Blondies Umarmung der Pop-Sensibilität, die ihre Musik wie einen erschütterten Sprite funkeln lassen.

Für Blondie ist die Popwelt keine permanente „Fantasy-Insel“, sondern lediglich ein Weg in Richtung periodischer Eskapismus. Anders als ABBA oder Fleetwood Mac hüllt sich Blondie nicht in einen Popkokon, isoliert von der Realität von Tod und Enttäuschung. Auf „Dreaming“ werden Träume nicht nur zu luftigen Hoffnungen, sondern zum Weg in die Freiheit („Dreaming is free“).

Hinter Blondies Marshmallow-Sound verbirgt sich eine echte Sorge für die täglichen Kämpfe. Obwohl die Pop-Fantasie die Arbeiterklasse ansprechen mag, fühlt sich Blondie verpflichtet, die Nöte zu entlasten. Anstatt mehr Heavy Metal a la Aerosmith zu schmieden, vermittelt Blondie auf 'Union City Blue' die Kraft und Leidenschaft der Eisen-und-Stahl-Arbeit. Zu Beginn des Songs quält Debbies Seufzer – 'Oh-ho, was werden wir tun?' -- würde einen modernen Odysseus von seinem Ziel locken.

'Shayla' ist wie der Shangri-Las' 'Leader of the Pack'. Shayla, ein Fabrikmädchen, entkommt endlich ihrem anstrengenden Lebensstil. Aber sie rast den Highway entlang, weg von der eintönigen Routine, sie wird mit einem überirdischen Wesen konfrontiert ('eine kosmische Energie streift sie wie Schatten'). Von anderen Freeway-Wanderern gesehen, erscheint dieser Moment nur wie ein augenblicklicher Blitz aus hellen Lichtern und Donner. Wie alle verträumten Drifter hat Shayla eine Welt verlassen, die nur vom täglichen Überleben besessen ist.

Blondie ist eine idealistisch motivierte Band. Die Band blickt nicht in eine mystische Leere und denkt über den Sinn des Lebens nach, sondern fordert ihre unvollkommene Welt heraus und versucht, sie zu einem Paradies für alle zu formen. In einem kürzlich erschienenen 'Midnight Special', mitten in 'Heart of Glass', sprach sich Debbie für nukleare Abrüstung aus. Auf 'Accidents Never Happen', einem Liebeslied ebenso wie einem Angriff auf Three-Mile-Island, singt Debbie diese optimistischen Worte -- 'Ich kann deine Anwesenheit aus der Ferne benennen Sie in eine perfekte Welt./Unfälle passieren nie in einer perfekten Welt./Komplikationen verschwinden.'

Blondie hat die Fähigkeit, zwischen Rock 'n' Roll-Fantasie und Alltagsrealität zu unterscheiden. Betrachten Sie „Slow Motion“, eine ungewöhnliche Mischung aus „Stop! In the Name of Love“ und Little Evas „Loco-Motion“, die die 60er-Jahre-Teilnahme mit der 70er-Jahre-Distanz zu einem coolen, lebendigen Tanz verbinden. Das Lied schlägt vor, dass man aufhören sollte zu träumen, sich umzusehen und zu atmen ('Zeitlupe, du kannst mit einem Cent aufhören / Zeitlupe, du solltest es irgendwann versuchen').

Auf dem letzten Song des Albums, 'Living in the Real World', behauptet Blondie, dass sie nicht von dieser Erde sind, dass Debbie Harry nur eine Teenie-Queen für Rockmagazine ist. Aber allein die Tatsache, dass die Band das Dilemma ihrer Verstrickung in den Plastikwürfel des Rock 'n' Roll aufdeckt, ist ihre Rettung.

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Blondie weigert sich einfach, hinter dem Make-up zu verschwinden.