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Die klare Aussage eines gehörlosen Künstlers

In „Sarah und Garrett“ sitzen die Probanden nebeneinander. Dunkle Linien in Grün und Rot betonen ihre jungen Gesichtszüge. Sarah sieht Garrett an, dessen Hände für ihn sprechen.

In einem anderen Porträt färben Rot-, Grün-, Grau- und Brauntöne Bertrams Teint. Er sitzt lässig in dunklem Mantel und Krawatte, trägt eine Baseballmütze, eine helle Landschaft hinter sich.

Dies sind einige der Gesichter der Universität Gallaudet. Bertram Weston ist Schüler der Gehörlosenschule, und Sarah und Garrett besuchen die High School auf dem Campus im Nordosten von Washington. Die Künstlerin Mary Thornley hat ihre und andere Gesichter eingefangen, um eine Porträtgalerie für Gehörlose zu schaffen, die jetzt in der Innenstadt von 'The People of Gallaudet' im Künstlermuseum ausgestellt ist.

Thornley, der gehörlos ist, wurde zum Powrie V. Doctor Chair of Deaf Studies für das Schuljahr 2000-01 ernannt und hat den einzigen Stiftungslehrstuhl in Gallaudet inne. 1999 lehrte sie dort als Artist in Residence, arbeitet nun aber an eigenen Projekten in einem renovierten Atelier im zweiten Stock eines alten Campus-Pförtnerhauses.

„Ich fand es wichtig, eine Porträtgalerie zu machen. . . zu sagen, dass wir taub und stolz sind“, sagt Thornley. 'Gehörlose Menschen haben eine eigene Geschichte.'

Tatsächlich war es ein historisches Gemälde von Thornley, das Gallaudet zum ersten Mal auf sie aufmerksam machte. Im Stil von Goyas 'Der 3. Mai 1808 in Madrid: Die Hinrichtungen auf dem Principe Pio Hill' zeigt Thornley ein Erschießungskommando mit Gewehren, die auf die Buchstaben ASL (für American Sign Language) gezeichnet sind. 1997 kaufte Gallaudet das Gemälde, das auf ein wichtiges Ereignis in der Geschichte der Gehörlosen verweist: 1880 wurde in Mailand die Gebärdensprache verboten, um Gehörlosen das Sprechen beizubringen.

Thornley, 51, wuchs auf einer Farm außerhalb von South Bend, Indiana, auf. Sie studierte Bildende Kunst an der Indiana University und erhielt ihren Master in Seattle an der University of Washington. Es gibt zwei Denkrichtungen darüber, wie Gehörlose kommunizieren sollten: Gebärdensprache oder mündliche Kommunikation. Thornley ist mit Hörgeräten, Lippenlesen und Sprechen aufgewachsen, aber seit kurzem lernt sie Gebärdensprache.

Es gebe viele Missverständnisse über Gehörlose, sagt sie. Zum Beispiel gehen die meisten Hörenden davon aus, dass Gehörlose überhaupt nichts hören können, aber sie sagt, sie habe noch nie eine gehörlose Person getroffen, die nichts hört.

Thornley malt in ihren Porträts sowohl gehörlose als auch hörende Menschen, aber ihre anderen Gemälde und Keramiken sind oft definitiv mit der Erfahrung von Gehörlosen verbunden.

„Seit 1990 arbeite ich daran, ‚gehörlose Kunst‘ als Genre zu etablieren: Kunstwerke, die aus einer bestimmten kulturellen Erfahrung resultieren, wie schwarze Kunst oder Latino“, sagt Thornley.

„My Union Station“ zeigt eine Gruppe von Gallaudet-Studenten vor dem Bahnhof, die auf einen Shuttle zum Campus warten. Sie stehen im Sonnenlicht, selbst in Gelb dargestellt, unterhalten sich in Gebärdensprache lebhaft, während die Passanten dunkelblau und grün, teils gebückt, einzeln gehen, hören. Thornley sagt, dass Menschen oft Mitleid mit Gehörlosen haben, weil sie denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, aber das Gemälde zeigt, dass die Tauben gedeihen.

»Sie diskutieren über philosophische Dinge. Sie reden über Literatur“, sinniert sie.

„Für mich sind die Gehörlosen und die Gallaudet-Studenten in unserem Leben viel ausdrucksstärker“, sagt sie.

Thornleys Ausstellung umfasst auch eine Reihe von Keramikskulpturen von Ohrpassstücken. Dieser Teil eines Hörgeräts sitzt im Ohr und wird individuell gefertigt. Thornley erinnert sich an ihre eigenen unangenehmen Besuche in der Drogerie aus ihrer Kindheit, wo sie in einem überladenen Hinterzimmer saß, während ihr eine Paste zum Trocknen ins Ohr gestochen wurde. Als Grundlage für ihre etwa kätzchengroßen Skulpturen verwendete Thornley verschiedene Otoplastiken.

Taub zu sein sollte nicht mit Behinderung in Verbindung gebracht werden, sagt Thornley.

'Bitte verwenden Sie keine 'behinderten', 'hörgeschädigten', 'hörgeschädigten' oder jegliche Behinderungsrhetorik', sagt Thornley. 'Gehörlose Menschen lernen mehr Kommunikationsfähigkeiten als hörende Menschen.'

The People of Gallaudet läuft bis zum 30. Mai im Künstlermuseum, 406 Seventh St. NW, Dienstag-Samstag 11-18 Uhr. Rufen Sie unter 202-638-7001 an oder besuchen Sie http://gradschool.gallaudet.edu/Thornley.

Mary Thornley, mit drei Gemälden aus 'The People of Gallaudet'. Eines aus einer Reihe von Skulpturen, die von Otoplastiken in der Ausstellung inspiriert wurden.