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EU. Sanktionen zwingen Shell, Syrien zu verlassen

LONDON -Royal Dutch Shell kündigte am Freitag an, die Aktivitäten in Syrien einzustellen, nachdem die Europäische Union drei staatliche syrische Ölunternehmen auf die schwarze Liste gesetzt hatte, um den Druck auf das Regime von Präsident Bashar al-Assad zu erhöhen.

Die Europäische Union hat am Freitag mitgeteilt, dass sie ihre Sanktionen gegen die Ölgesellschaften General Petroleum Co., Al Furat Petroleum Co. und Syria Trading Oil Co. ausgeweitet hat in dem Land.

Die syrischen Gruppen sind lokale Partner verschiedener ausländischer Ölfirmen und zwingen sie, ihre Arbeit im Land einzustellen.

Shell kündigte an, seine Aktivitäten unter Einhaltung der Sanktionen einzustellen. Unsere oberste Priorität ist die Sicherheit unserer Mitarbeiter, auf die wir sehr stolz sind, teilte das Unternehmen der Financial Times mit. Wir hoffen, dass sich die Situation für alle Syrer schnell verbessert.

Branchenvertreter gehen davon aus, dass andere im Land tätige europäische Ölgesellschaften, darunter Total of France und das in London notierte Gulfsands Petroleum, folgen werden. Gulfsands sagte, es werde alle neuesten EU-Richtlinien einhalten. Sanktionen, wollte sich aber nicht dazu äußern, wie sich dies auf seine Geschäftstätigkeit auswirken würde. Total reagierte nicht sofort auf einen Anruf mit der Bitte um einen Kommentar.

Royal Dutch Shell und Total gehören zu den größten ausländischen Investoren in der syrischen Rohölindustrie. Staatseigene CNPC aus China und ONGC aus Indien sind ebenfalls Großinvestoren, bleiben aber von den europäischen Sanktionen unberührt.

Unabhängig davon griff der UN-Menschenrechtsrat Syriens hartes Vorgehen gegen oppositionelle Demonstranten an und ernannte einen Sonderermittler, um Missbräuche im Land zu untersuchen. Während 37 Länder für eine von der Arabischen Liga unterstützte Resolution stimmten, stimmten die USA und europäische Länder, Russland, China und vier weitere Mitglieder mit sechs Enthaltungen dagegen.

Navi Pillay, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, sagte auf einer Dringlichkeitssitzung des Rates, dass seit März mehr als 4.000 Menschen bei der Repression getötet wurden und dass mehr als 14.000 Menschen vermutlich in Haft gehalten werden.

Syrische Aktivisten sagten, im November seien mindestens 950 Menschen getötet worden, was es zum blutigsten Monat des Aufstands gegen die Regierung Assads mache. In ganz Syrien wurde am Freitag von Gewalt berichtet. Mindestens vier Menschen sollen getötet und Dutzende verletzt worden sein.

Diplomaten in Brüssel haben informelle Diskussionen darüber begonnen, welche syrischen Einheiten möglicherweise von einer nächsten Runde von Sanktionen betroffen sein könnten, obwohl dies wochenlange Verhandlungen und rechtliche Arbeit erfordern würde, bevor man sich auf etwas einigen könnte. Einige Mitgliedstaaten wollen mehr Gewicht auf das Finanzsystem des Landes legen, das bisher unter anderem wegen des Widerstands aus dem nahegelegenen Zypern den Sanktionen entgangen ist.

Im September verhängte die Europäische Union erstmals ein Embargo für Ölexporte aus Syrien, das das Land zwang, die Produktion einen Monat später von 380.000 Barrel pro Tag auf etwa 250.000 Barrel pro Tag zu reduzieren. Damaskus hat nach Schätzungen von Ölhändlern keine neuen Kunden für sein Rohöl gefunden. Das Land hat auch Schwierigkeiten, raffinierte Produkte wie Diesel zu importieren.

Obwohl Syrien ein kleiner Rohölproduzent ist, ist der globale Ölmarkt so angespannt, dass der Lieferverlust bereits spürbar ist. Infolgedessen sind die Preise für Ural, ein russisches Rohöl von ähnlicher Qualität wie ein Teil des syrischen Öls, gegenüber Brent-Rohöl, dem globalen Benchmark, auf ungewöhnlich hohe Niveaus gestiegen. Brent wurde am Freitag bei 109,50 USD pro Barrel gehandelt.

Die letzte Runde der EU Sanktionen würden die Bemühungen von Damaskus, raffinierte Produkte zu sichern, erschweren, sagten Quellen aus der Industrie. Brüssel hat Sytrol, auch bekannt als Syria Trading Oil Company, auf die schwarze Liste gesetzt, die traditionell Kraftstoffimporte abwickelt. Obwohl Syrien ein Ölproduzent ist, fehlt es dem Land an Raffineriekapazitäten, um seinen Bedarf zu decken, und kauft normalerweise Diesel und Flüssiggase im Mittelmeer auf dem Markt.

Die Sanktionen würden Shell wahrscheinlich entlasten und dem Unternehmen einen Vorwand bieten, ein Land zu verlassen, das nur einen winzigen Teil seines globalen Geschäfts ausmacht, aber zu einem Reputationsproblem geworden ist. Das in London börsennotierte Unternehmen wird seinen Betrieb voraussichtlich nicht über Nacht einstellen, sondern in den nächsten Wochen abwickeln.

— Financial Times