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Hip-Hop's Dirty Martini

Der Aufstieg von Lil Jon gehört zu den seltsamsten in einer Popmusik-Welt, in der seltsamer Aufstieg selbstverständlich ist. Er war eine regionale Hip-Hop-Figur, die im Grunde dafür berühmt wurde, viel zu schreien. Jede seiner Bewegungen gilt als Spektakel – ein wildes Durcheinander aus strähnigem Haar und glitzernden Goldzähnen. In den Klassenzimmern des Hip-Hop herrscht Lil Jon als König des Stils, der als Crunk bekannt ist; auf dem spielplatz des pops ist er eine art karikaturhaft böswilliger clown.

Was Lil Jon groß machte, war „Yeah!“, die Single, die er für den ansonsten glanzlosen R&B-Star Usher produzierte. Lil Jon war bereits groß genug für seinen eigenen Rap-Hit „Get Low“ – aber nicht groß genug, um auf Hochzeitsfeiern und Büroveranstaltungen im ganzen Land einen Ausbruch von unbeholfenem Tanzen auszulösen. Fügen Sie einen aktuellen Eindruck des Komikers Dave Chappelle hinzu, und Lil Jon war die Art von Popstar, die jeder unwissende Amerikaner mit offenen Augen überrascht sein könnte, wenn er erkennt, dass sie ihn kennt.

Lil Jons Musik ist jedoch viel dunkler und manischer als 'Yeah!'. Für sich allein verkörpert der gebürtige Atlanta-Amerikaner den Dirty South von seiner schmutzigsten Seite. Und es ist auch am gruseligsten. Das wären die Schlagworte für Crunk, eine Bewegung, die sich auf Beats betrinkt, die schief, knackig und knackig klingen. Nehmen Sie den ersten richtigen Song auf Lil Jon & the East Side Boyz' neuem Album 'Crunk Juice': Unter einem Chor von Rappern, die Grabbefehle zu 'Get Crunk' bellen, stampft der Beat wie Soldaten, die über eine Brücke marschieren und unter ihrem Gewicht ächzen. Horrorfilm-Strings tragen zur Aura des Untergangs bei, aber Lil Jon und seine Kameraden würden ohne Musik genauso unheilvoll klingen.

Ein späterer Track auf dem Album sampelt nicht nur einen, sondern zwei Songs von Slayer und festigt Crunks Rolle als Hip-Hop-Äquivalent zu Death Metal. Der Großteil von 'Crunk Juice' handelt von unverschämten Rachephantasien und blutigen Absichtserklärungen. (Ein Song bedroht sowohl Feinde als auch ihre Frauen und Kinder.) Sonst passiert eigentlich nichts mehr in den Texten, deren Karneval von Gewalt und Frauenfeindlichkeit von makaberer Musik wimmelt, die dazu passend gemacht ist. „Da Blow“ schleicht mit der langsamen, benebelten Drohung, die von Freizeittrinkern von Hustensaft bevorzugt wird, während „White Meat“ mit einer Junky-Diät aus Bass- und Moll-Synthesizer-Patterns auskommt.

Lil Jon kann dies klanglich am besten, wenn sein Sinn für Kino Szenen bedient, die aus dem Lärm aufsteigen. Ansonsten bleibt er beim Telefonieren in Chartködern wie 'Lovers and Friends' und 'In Da Club', einer Sex-Ballade und einem Möchtegern-Dance-Track, auf dem Usher und R. Kelly lustlos bzw. lahm klingen. Es ist auffallend, wie unnatürlich Lil Jon klingt, wenn er nicht über mörderischen Beats blutigen Mord schreit; Ohne einen Hasser, gegen den er sich wappnen kann, hat er nichts zu sagen und nichts zu spielen, während er es sagt.

Lil Jon und die East Side Boyz servieren einen giftigen Cocktail aus Frauenfeindlichkeit und Rachefantasien.