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'Intimacy's' vergifteter Eros

'INTIMACY' ist grafisch in seinen Darstellungen von Sex. Es geht weiter, als Sie es von einem Kinofilm gewohnt sind. Aber der englische Film, bei dem der Franzose Patrice Chereau Regie führte, handelt nicht von den körperlichen Manövern zwischen dem Liebespaar Claire (Kerry Fox) und Jay (Mark Rylance). Es geht um die Leere zwischen ihnen.

Es gibt kaum einen prickelnden Moment im Film.

Basierend auf Hanif ('My Beautiful Laundrette') Kureishis Roman 'Intimacy' und seiner Geschichte 'Nightlight' kennen die beiden Liebenden des Films nicht einmal ihre Namen. Sie treffen sich jeden Mittwoch in Jays Londoner Wohnung zu sexuellen Kontakten. Die Begegnungen sind intensiv, aber verbal still. Als sie fertig sind, geht Claire ohne einen Blick zurück. Sie kehren bis zum nächsten Mittwoch in ihr Leben zurück, völlig kontaktlos.

Das sind buchstäblich unausgesprochene Regeln. Und zunächst scheint es bei beiden zu funktionieren. Aber wie in 'Last Tango in Paris', das mit einer ähnlichen Prämisse beginnt, beginnt ihr Arrangement zu knacken.

Jay, ein geschiedener Barkeeper mit zwei Kindern, die das gemeinsame Sorgerecht haben, ist in Bezug auf sein Leben zunehmend mutlos. Sein anonymer Liebhaber, stellt er fest, ist das einzig Zwingende daran. Nach einer ihrer Mittwochssitzungen beschließt er, ihr zu folgen.

Es stellt sich heraus, dass sie eine Bühnenschauspielerin ist. Jay sieht heimlich zu, wie sie Laura in Tennessee Williams' 'The Glass Menagerie' in einem drittklassigen Theater spielt. Jay freundet sich auch mit Dave an (dem üblichen hervorragenden Timothy Spall), einem Cockney-Taxifahrer, der ständig im engen Theater herumhängt oder im angrenzenden Pub Snooker spielt. Dave, erfährt Jay, ist Claires Ehemann.

Jetzt, da Jay von Claires Außenleben weiß, ist alles anders. Und als sie merkt, dass er sie ausspioniert, ist die Zerstörung abgeschlossen. Ihre klinisch sexuelle Beziehung ist voller menschlicher Verbindungen. Sie kamen aufgrund des Vakuums in ihrem Leben zueinander; Claire ist von der Schauspielerei desillusioniert und in ihrer Ehe weniger als erfüllt. Aber wenn diese Leere Seite an Seite gelegt wird, werden die Liebenden nicht zusammengebracht; sie sind noch weiter auseinander geschoben.

Chereau, der 'Queen Margot' und 'Those Who Love Me Can Take the Train' gemacht hat, schafft eine wunderbare Moll-Akkord-Symphonie. Der Film, der bei den Berliner Filmfestspielen drei Preise für den besten Film, die beste Regie und das beste Schauspiel (für Fox) erhielt, hat eine verregnete Melancholie. Und die Auftritte von Fox (der in 'An Angel at My Table' mitspielte) und Rylance (am besten bekannt für seine Rolle in 'Angels and Insects') sind entsprechend kantig und ausgefranst. Und es macht deutlich, worauf es ankommt: Sexuelle Intimität ist nicht unbedingt intim.

-- Desson Howe

INTIMITÄT (Unrated, 119 Minuten) -- Enthält anschauliche sexuelle Handlungen und Obszönitäten. Im Visions Kino/Bistro/Lounge.

Kerry Fox und Mark Rylance in Patrice Chereaus „Intimität“.