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LEIDENSCHAFTEN DER SCHAUSPIELERIN

Sie wird 'der Garbo von Frankreich' genannt. Und für manche ist Isabelle Adjani der einzig wahre Filmstar hier. Im Gegensatz zu so vielen zeitgenössischen Schauspielerinnen hat Adjani altmodischen Glamour und einen Hauch von Geheimnis. Sie ist auch außergewöhnlich schön – große blaue Augen, die sowohl beunruhigend als auch unschuldig sind. Ein rundes, fast pralles Gesicht, glatt und weiß wie ein Stück Marmor, ohne Linien, keinerlei Altersspuren. Heute ist Adjanis dunkelbraunes Haar zu einem Zopf geflochten, der sanft über ihre Schulter ruht und mit einer burgunderroten Samtschleife zusammengebunden ist. Sie ist auch hochschwanger.

In den letzten Monaten oder so hat Paris über Adjanis 'Zustand' geschwärmt. Die Boulevardzeitung Voici brach die Geschichte und behauptete, dass das Baby im Juli mit Adjanis On-Off-Off-Beau, dem britischen Schauspieler Daniel Day-Lewis, gezeugt wurde. Sie schlug Voici sofort mit einer Klage wegen Verletzung der Privatsphäre.

Über den Vater sagt Adjani immer noch kein Wort – „damit kann ich nicht gut reden“, protestiert sie –, lässt aber zu, dass sie nach der Geburt des Kindes ein paar Monate Urlaub nehmen will. „Wenn man ein Baby in den Armen hält, möchte man es nicht gleich in einen Korb legen“, erklärt sie. 'Du willst das Baby in der Nähe halten.'

Sie hielt die Identität des Vaters ihres anderen Kindes, des 15-jährigen Barnabe, 10 Jahre lang vor der Öffentlichkeit geheim. Schließlich bestätigte sie öffentlich, dass Barnabe der Sohn des flämischen Kameramanns Bruno Nuytten ist; aber das war erst, nachdem sie Nuytten gebeten hatte, bei ihr in ,Camille Claudel' Regie zu führen.

Adjani mag ihre Privatsphäre und achtet auf ihr Image: Obwohl sie toll aussieht, würde sie sich für diese Story nicht auf Fotos setzen. Auch über ihr Alter spricht sie lieber nicht. (Sie ist 39 oder 40 Jahre alt – sie hat 1975 mit 19 'The Story of Adele H' gemacht.)

Und wie jeder echte Filmstar spricht sie gerne über Leidenschaft. Leidenschaft, sagt sie, sei oft das treibende Merkmal hinter den Teilen, die sie wählt. Es ist auch das, was sie so verführerisch macht, so voller Tatendrang und frei von Zurückhaltung.

„Ich mag es, mit Emotionen zu arbeiten, die Sie über Ihr Leben hinausbringen können“, erklärt sie. „Und doch musst du ihnen widerstehen, um in deinem Leben zu bleiben. Sonst bist du verbrannt. Ich mag diesen Kampf. Es ist eher ein Kampf mit sich selbst.

„Für mich“, fährt sie fort, „um aufzustehen und den Drang zu verspüren, zum Set zu gehen und all das, muss ich spüren, dass dort etwas ungeheuer vibrierendes zu erreichen ist. Ich muss manchmal das Bewusstsein für die Person und die Realität verlieren, um glücklich in die Realität zurückzukehren und glücklicher, sie für diese Sache zu leben, um ein Künstler in diesem Leben zu sein. Sonst macht es keinen Spaß.

'Es muss spannend sein.' Großer Auftritt

Als sie ihr Debüt in Francois Truffauts atemberaubendem „The Story of Adele H“ gab, verzauberte sie Kinobesucher und Kritiker gleichermaßen und erhielt ihre erste Oscar-Nominierung. Adele, die Tochter von Victor Hugo, reiste nach einer unerwiderten Liebe wie besessen durch die Welt. Je mehr Adele ihrer Leidenschaft frönte, desto verrückter wurde sie.

'Ich erinnere mich, dass Truffaut mir sagte: 'Es spielt keine Rolle, in wen Adele verliebt ist, sie ist besessen von allem, was Liebe für sie bedeutet, was ihr die Flucht ermöglicht', erinnert sich Adjani. 'Und in dieser Situation war es ihr Vater, die enorme Macht, die durch den Schatten ihres Vaters auf sie geworfen wurde.'

Adjani folgte 'Adele H' mit einigen guten Bildern und einigen Blindgängern. Zu ersteren gehörten Roman Polanskis gruseliges 'The Tenant' von 1976, Werner Herzogs bizarres 'Nosferatu the Vampyre' von 1979 und Luc Bessons glänzender futuristischer Thriller von 1985 'Subway'.

Und dann war da noch 'Ishtar'. Dieser 40-Millionen-Dollar-Flop von 1987 unter der Regie der Komikerin Elaine May und der Nebendarsteller Dustin Hoffman und Warren Beatty war eine der größten Bomben in der Geschichte Hollywoods. „Das Schreiben ist sehr lustig und Elaine hatte sehr gute Ideen“, sagt Adjani jetzt. „Es war einfach nicht das Richtige für sie. Sie musste etwas tun, das wie sie aussah, ihr von A bis Z ähnelte. Es war, als ob ihre Unabhängigkeit durch die Bedingungen gestohlen wurde. Beatty beschützte sie sehr. Aber es gab zu viele Männer, zu viel Geld, zu viel Macht, gegen die man kämpfen konnte. Es verdarb die Natur und das Wesen ihres Talents, was wirklich schade war. Es hat den Geist beschädigt.'

In den Jahren danach tratschen die Leute hier über die Romanze zwischen Adjani und Beatty und darüber, wie sie ihn verließ, als sie seine notorische Untreue satt hatte. Sie spekulierten auch, sagt Adjani, dass sie AIDS habe. Nachdem Adjani in einer französischen Veröffentlichung gelesen hatte, dass sie in einem Provinzkrankenhaus gestorben war, gab sie in einer Nachrichtensendung zur besten Sendezeit bekannt, dass sie noch sehr am Leben sei. Jetzt sagt sie, die AIDS-Gerüchte seien politisch motiviert gewesen. Ihr Vater ist Algerier, ihre Mutter Deutsche. Der Autor Philippe Sellers schrieb einmal in einem offenen Brief an Adjani: „In Frankreich gibt es zwei Schränke voller Dynamit: die Besatzung und den Algerienkrieg. Du wurdest genau an der Schnittstelle dieser beiden Geheimnisse geboren.' Zu dieser Zeit war Adjani ziemlich offen für die algerische Gemeinschaft – eine Minderheit, die vom weißen, katholischen Frankreich immens verachtet wird. Sie nannte die AIDS-Gerüchte eine 'Hexenjagd'. Leidenschaftliche Frauen

'Camille Claudel' hat ihre Karriere wiederbelebt. Der Film, der 1989 herauskam, zeigte Claudels Liebesbeziehung mit einem anderen, berühmteren Bildhauer, Auguste Rodin, dargestellt von Gerard Depardieu. Die Romanze explodierte und Claudel wurde wahnsinnig. Die Rolle brachte ihr eine weitere Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin ein. Bei der Eröffnung von „Claudel“ in London lernte Adjani Day-Lewis kennen. Sie zog nach London, um ein Jahr mit ihm zu verbringen, und sagte später, die Beziehung sei 'wie ein experimenteller Film über die Liebe, der nur in einem Kino in englischer Sprache mit Untertiteln gezeigt wird'. Seitdem haben sich die beiden auseinandergelebt, kommunizieren hauptsächlich per Telefon und Fax, sehen sich nur gelegentlich.

'Queen Margot' hat die Lücke gefüllt. Der Film basiert lose auf einem wenig bekannten Roman von Alexandre Dumas über das Massaker von St. Bartholomäus an 6.000 Protestanten im Jahr 1572. Der Roman wird aus der Sicht des Comte La Mole, Margots protestantischer Geliebter, erzählt. Regisseur Patrice Chereau hat daraus die Geschichte von Margot gemacht.

Wie Adjanis beste Filme handelt 'Margot' von einer Frau, die von Leidenschaft getrieben wird, doch Adjani sagt lachend: 'diesmal wird sie gesund.' 'Margot' hatte im Mai letzten Jahres bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere und wurde anschließend von den Kritikern zerfetzt. Zu blutig. Zu lang. Zu gewalttätig. Sein amerikanischer Distributor Miramax bat um eine kürzere, sauberere Version, und Chereau stimmte widerstrebend 190 Kürzungen für insgesamt 23 Minuten vom Original zu. Als es letzten Monat in Los Angeles und New York eröffnet wurde, schwärmten die Kritiker von Adjanis Leistung. Sie 'brennt ein Loch in die Leinwand', meinte die Los Angeles Times. 'Wahrscheinlich hat es keine große Schauspielerin in der Filmgeschichte geschafft, so beständig und hinreißend jugendlich auszusehen.' USA Today schwärmte: 'Stellen Sie sich Lillian Gishs innere Stärke im Stummfilm mit einer Sexbomben-Dimension vor.' „Das ist lustig“, sagt Adjani kichernd. »Ich meine, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Es ist berauschend, etwas zu lesen, das einem sagt, dass die Leute etwas gesehen und gefühlt haben, was man für so diskret hielt. Wenn sie dich mit einigen ihrer eigenen Fantasien darüber in Verbindung bringen, wer oder wie einige Schauspielerinnen in Filmen sein sollten. Das ist wirklich süß!' 2

Bildunterschrift: Isabelle Adjani: 'Ich mag es, Emotionen zu verarbeiten, die dich über dein Leben hinausbringen können.'

Bildunterschrift: Adjani und Vincent Perez in 'Queen Margot'.