logo

'MIETE': LIEBE UND ARBEIT UND VERLUST

Vor achtzehn Monaten war es sinnvoll, „Rent“ als das kleine Musical zu betrachten, das es könnte. Das liegt daran, dass es die Reise vom Off-Broadway-Aspiranten zum Broadway-Smash gemacht hat, mit Tony Awards und dem Pulitzer-Preis obendrein. Es gab auch einen tragischen Umstand, als Jonathan Larson, der das Buch, die Musik und den Text von 'Rent' gemacht hatte, nur wenige Stunden nach der letzten Generalprobe der Show an einem Aortenaneurysma starb.

Jetzt ist 'Rent' natürlich ein Muss, ein Musical, das man gesehen haben muss, ein riesiges Marketing- und Merchandising-Unternehmen, dessen nationale Tournee sich im Nationaltheater niedergelassen hat, wo es am Freitag eröffnet wurde. Der vorgefertigte Erfolg von 'Rent' kann nicht über gewisse strukturelle Probleme hinwegtäuschen oder die ungleiche Besetzung beim National ausgleichen, aber die Show strotzt vor einer gewissen traurigen Energie und zeigt Mitgefühl für ihre entrechteten Bewohner.

Inspiriert von Puccinis „La Boheme“, das sich mit der böhmischen Subkultur von Paris im frühen 19. Es ist zwangsläufig eine überfüllte Umgebung – die Handlung spielt in einem verlassenen Loft und einem leeren Grundstück, einem kitschigen, mehrstufigen Tableau, das vom Bühnenbildner Paul Clay eher vorgeschlagen als aktualisiert wurde. Klugerweise konzentriert sich Larson auf eine Troika von Beziehungen, die inmitten eines Vertreibungskampfes geführt wird, der kommerzielle Entwicklung gegen künstlerische Freiheit ausspielt.

Welche Workouts verbrennen Bauchfett

Die drei unvollkommenen Gewerkschaften - Mann-Frau, Mann-Mann und Frau-Frau - werden gegen das Gespenst des frühen Todes ausgespielt. Für Puccini war Tuberkulose die Krankheit. Für Larson ist es AIDS, das vier der sieben Schlüsselfiguren direkt betrifft. Als der HIV-infizierte Musiker Roger (Manley Pope) seine Landsleute im Titelsong der Show fragt: 'Wie kann man sich in einer Zeit verbinden / Wo Fremde, Vermieter, Liebhaber / Ihre eigenen Blutkörperchen verraten? / Was verbindet den Stoff / Wenn die tobende, wechselnde Winde der Veränderung / Weiterreißen?' Dieses Gefühl der spirituellen Trennung, zusammen mit dem Kampf um eine nährende Gemeinschaft inmitten einer gemeinsamen Tragödie, ist das Herzstück von 'Rent'.

Die zentrale Beziehung der Show ist eigentlich am wenigsten interessant. Roger ist ein Ex-Junkie, der immer noch von schlechten Nachrichten über seine ehemalige Freundin erschüttert wird: Sie haben beide AIDS und sie hat sich gerade umgebracht. Verständlicherweise sucht er keine Beziehung, und obwohl er eine Schreibblockade hat, träumt er von 'One Song Glory', etwas, das ihn überleben wird, ein paar Takte musikalischer Unsterblichkeit. Während er die Ballade im Sting-Stil singt, wird Rogers Schatten riesig auf die Wand hinter ihm geworfen, aber ein dunklerer Schatten zeichnet sich darin ab.

Wie überraschend – und wie beängstigend – ist es, wenn die Junkie-Tänzerin Mimi (Simone) in Rogers abgedunkelter, wärmeloser Hocke auftaucht und ihn auffordert, „My Candle anzuzünden“. In seinem schwachen Licht verflechten sich die beiden zaghaft zu einem schönen Duett mit einem geschmeidigen R&B-Bounce. Der Moment der echten Verbindung, der am Ende von Akt 1 in 'I Should Tell You' beschrieben wird, erweist sich als bittersüß: Mimis Piepser ertönt und erinnert sie daran, dass es Zeit für eine 'AZT-Pause' ist. Die gegenseitige Entdeckung macht den Selbstschutz der Einsamkeit überflüssig.

Die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften von 'Rent' sind lohnender. Der stimmliche und herzensgute Angel (Stephan Alexander) tröstet Computergenie Tom Collins (C.C. Brown) nach einem Straßenraub. Kurz darauf tritt Angel als Drag Queen in „Today 4 U“ auf, einer energiegeladenen Hip-Hop/Disco-Nummer der alten Schule, die auf ein Revival der „42nd Street“ mit RuPaul hindeutet. Der wahre Kern der Beziehung wird jedoch in dem wunderschönen Duett „I'll Cover You“ enthüllt, dessen zentrale Affirmation universell ist.

Schließlich gibt es noch Joanne (Sylvia MacCalla) und Maureen (Amy Spanger), die den Filmemacher/Erzähler Mark (Luther Creek) für Joanne entlassen hat. Maureen, eine Performance-Künstlerin, macht einen verspäteten Auftritt, aber nicht bevor Joanne und Mark ihre gemeinsame Verzweiflung in dem lustigen 'Tango: Maureen' teilen. Als Maureen endlich eintrifft, um gegen die Räumung zu protestieren, beweist ihr Performance-Stück „Over the Moon“ eine Tour de Farce der politisch-kosmischen Empörung. Später treten sie und Joanne in dem temperamentvollen R&B-Duett „Take Me or Leave Me“ gegeneinander an, in dem es offensichtlich um Identität und Unabhängigkeit geht, nicht um das Überleben.

Pille zum Abnehmen mit Hormonungleichgewicht

Der erste Akt, der am Heiligabend gespielt wird, nimmt sich Zeit, um uns die Prinzipien von 'Rent' vorzustellen, schlägt aber auch größere Gemeinschaften vor, wenn auch nur flüchtig. 'Life Support' ist ein wunderschöner Hauch eines Liedes, das in einem AIDS-Support-Meeting spielt, aber es ist vorbei, bevor es jemals eine Verbindung herstellt. 'Werde ich?' spricht individuelle Ängste an („Werde ich meine Würde verlieren/Kümmert sich jemand?“), unterstreicht aber die Gemeinsamkeit, da es von mehreren kleinen Gruppen gesungen wird, die sich der gemeinsamen Ängste des anderen nicht bewusst sind.

Widerstand und Widerstandsfähigkeit prägen die Schlussnummer des ersten Akts, 'La Vie Boheme', ein frenetisches, etwas ungeschicktes Letztes Abendmahl-Tableau, das eine Speisekarte mit böhmischen Genüssen mit Big Apple-Geschmack serviert. Mark bietet auch einen entscheidenden Toast an: 'Einmal ein Wir zu sein, anstatt ein Sie.'

Während Akt 1 locker genug ist, um die Schlüsselfiguren und Themen von 'Rent' zu konkretisieren, wirkt Akt 2 unnötig komprimiert. Obwohl es viel kürzer ist als sein Vorgänger, rast es durch ein ganzes Jahr voller Tragödien, Verrat und Enttäuschungen, wobei Feiertage als Marker dienen. Akt 2 hat auch weniger starke Songs, aber einer der besten ist „Without You“, Mimis langsam brennendes Geständnis der Not, das sie einem verstorbenen Roger vorsingt, während Tom Collins sich still um einen sterbenden Angel kümmert und Maureen und Joanne auseinander gleiten. Es ist ein wunderschöner Moment, trotz des Gefühls des Untergangs, das durch Toms klagende Wiederholung von 'I'll Cover You' bei Angels Beerdigung unterstrichen wird. Danach sind die Reue und die Versöhnung der Überlebenden jedoch weniger überzeugend, weil sie so zusammengezogen wirken.

Es hätte wahrscheinlich geholfen, wenn Rogers schmerzerfüllter 'ein Song' stärker gewesen wäre. Sogar 'Seasons of Love', das inspirierende Thema von 'Rent', fühlt sich eher emotional und musikalisch kalkuliert als inspiriert an (obwohl die Ensembledarbietung einige kraftvolle, dem Publikum gefallende melismatische Wirbel der Washingtoner Sängerin Terita R. Redd ermöglicht).

Die Besetzung beim National ist solide, aber nicht spektakulär. Stephan Alexander, der Angel spielt, ist ihr leuchtendstes Mitglied, nicht nur wegen der Kraft seines Gesangs, sondern auch wegen der Freude und des Mitgefühls, die er so geschickt ausstrahlt. Manley Popes Roger ist im Vergleich zu Simones Mimi ein bisschen zu ängstlich und hübscher Junge. Simone, Tochter der legendären Sängerin Nina Simone, ist eine starke Mimi, besonders wenn das Material Wärme und Zärtlichkeit verlangt. Sie ist jedoch nicht in Bestform auf Mimis großer Nummer 'Out Tonight', einem Stampfen im Tina Turner-Stil, der auf unsicheren Füßen geliefert wird.

Ein Teil des Problems ist, dass die energiegeladenen Lieder und Gespräche von 'Rent' und sogar einige Ensemblenummern von der Technologie verraten werden: Alle Darsteller tragen schnurlose Headset-Mikrofone. Das macht Sinn – sie werden von der Keyboard/Gitarren-geführten Band auf der Bühne notwendig gemacht – aber manchmal fühlt es sich an, als ob der Gesang von den Seiten des National kommt und nicht von der Bühne. Und allzu oft wurden die Mikrofonpegel so hochgepumpt, dass dynamische Feinheiten und Unterscheidungen außer Kraft gesetzt wurden. Dies galt insbesondere für Amy Spangers Leistung als Maureen: Sie glänzte in ihrem Comic-Showcase 'Over the Moon', schien aber zu anderen Zeiten einfach übertrieben.

Ist „Rent“ das Rockmusical der 90er? Für diese Ohren bietet es eine rockige Partitur mit Elementen von R&B, Gospel und Latin-Musik, aber mit einer entschieden theatralischen Vorstellung von Melodie und emotionalem Drama. Es sind nicht die Instrumente oder der Dezibelpegel, die „Rent“ definieren, und Jonathan Larsons offensichtliche Leichtigkeit mit diesen Pop-Formen hat seine Liebe zu den Traditionen des Musiktheaters nie außer Kraft gesetzt. Miete, Buch, Musik und Texte von Jonathan Larson. Regie: Michael Greif. Choreographie, Marlies Yearby; Kostüme, Angela Wendt; Beleuchtung, Blake Burba; Ton, Kurt Fischer. Bis zum 2. November im Nationaltheater. Karten erhalten Sie unter 800-447-7400. Bildunterschrift: Musiker Roger (Manley Pope) und Tänzerin Mimi (Simone) stellen sich in 'Rent' einer von AIDS überschatteten Welt. Bildunterschrift: Drag Queen Angel (Stephan Alexander) und Tom (C.C. Brown) kommen in 'Rent' ganz nah heran.

Luft kommt aus dem Ohr