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'A Scanner Darkly': Fein kontrollierte Substanz

Ohne seine Animation wäre 'A Scanner Darkly' eine schöne warnende Geschichte über Drogensucht, Paranoia und institutionellen Verrat in einem untergehenden Polizeistaat geworden. Aber mit einer Technik, die Live-Action in einen zweidimensionalen Cartoon verwandelt, wird der Film um einen – vielleicht sogar 10 – besser.

Es wird zu einer eigenen lebendigen, atmenden Metapher. Die Charaktere sehen aus, als wären sie in einer Glasplatte flachgedrückt, ein perfektes visuelles Spiegelbild ihrer politischen und psychologischen Bindungen.

Eine besondere Dimension hat Richard Linklaters Adaption des gleichnamigen Romans von Philip K. Dick. Der Regisseur hat Szenen – die er mit Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Winona Ryder und anderen gedreht hat – mit einem aquarellartigen elektronischen Wash neu gerendert und alles in ein unruhiges Gemälde verwandelt. Linklater nennt diesen Prozess „interpoliertes Rotoskopieren“. Er hat es zum ersten Mal in seinem Film 'Waking Life' von 2001 verwendet, aber hier funktioniert es besser. „Scanner“, das in „sieben Jahren“ in Anaheim spielt, entführt uns in eine Welt, die so in narkotische Vergessenheit versunken ist (20 Prozent der Bevölkerung sind süchtig nach einer Droge namens Substanz D), dass niemand die größere Dystopie begreift. Selbst Undercover-Polizisten – wie Bob Arctor (Reeves) – verstehen das Gesamtbild nicht. Sie sind in ihrem eigenen Arbeitsalltag gefangen, der in Bobs Fall Überwachung ist.

Zu Hause ist Bob ein ganz normaler Typ, der mit seinen süchtigen Mitbewohnern an Substanz D teilnimmt. Aber diese Freunde – gespielt von Downey, Woody Harrelson und Rory Cochrane mit unterhaltsam verworrenem Geplänkel – wissen nicht, dass Bob ein Narc ist. Er durchstreift die Nachbarschaft in einem 'Krakelanzug', einer Art Zwei-Wege-Spiegel-Kleidung, die ihm erlaubt, hinauszusehen, aber seine Identität mit wechselnden Bildern menschlicher Gesichter verdeckt. Seine Freunde haben keine Ahnung, was heimtückischer ist: Bob wurde beauftragt, sie zu beobachten, ebenso wie seine drogendealierende Freundin Donna Hawthorne (Ryder), damit er ihre Lieferanten schnappen kann.

Es stehen noch mehr Wendungen bevor. Bobs mysteriöser Vorgesetzter, der ebenfalls einen Scramble-Anzug trägt und Bob nur als „Fred“ kennt, befiehlt dem Undercover-Cop, ihn auszuspionieren. . . Bob. Das lässt Bob versuchen, ein Dossier über sich selbst zusammenzustellen, während er mit einer wachsenden Drogensucht kämpft. Es überrascht nicht, dass sein Verstand sich auflöst, was erklären könnte, warum seine Freunde anfangen, wie riesige Käfer auszusehen.

Von den vielen nach Dicks Büchern adaptierten Filmen, darunter „Total Recall“, „Blade Runner“, „Screamers“ und „Minority Report“, ist Linklaters unangreifbar der treueste. Der größte Teil des Romans von 1977 wird hier wiederholt, von seinen Dialogen bis zur brillanten Vermischung von gruseliger Komödie und absurder Tragödie. Es gibt noch einen weiteren Unterschied. Im Gegensatz zu diesen anderen actionorientierten Filmen ist 'A Scanner Darkly' von Dicks Streifzug in das Reich der bewusstseinsverändernden Drogen gefärbt.

Linklater, der auch das Drehbuch geschrieben hat, ist bei dieser Zusammenarbeit kein passiver Partner. Er verleiht 'Scanner' den albernen Geist, der seine frühen Filme 'Slacker' und 'Dazed and Confused' belebte. Seine komischen Szenen sind zwar oberflächlich witzig, aber sie sind symptomatisch für eine Zivilisation, die sich auflöst.

Downey gibt eine schön ausgefeilte Leistung als der motormaulige, paranoide James Barris ab, der besessen davon ist, sein fragwürdiges Genie zu beweisen. In einer Szene zum Beispiel führt Barris ein Fahrrad vor, einen 18-Gang, den er angeblich für ein Lied gekauft hat. Donna behauptet, es sei gestohlen. Ernie Luckman (Harrelson) ist sich sicher, dass das Bike nur neun Gänge hat. Plötzlich zerstört Barris' Gelassenheit sich selbst. Die Hysterie nimmt zu, und alle schreien und rasen sich in einen solchen Höhepunkt der Hysterie, dass selbst der verrückte alte Barris gezwungen ist, die Dinge abzuschwächen.

'Wir sind alleWegzu nahe dran“, sagt er leise.

Harrelson ist fast so gut wie Downey. Luckmans erregbare Hysterie täuscht über seinen (dank Substanz D) zurückweichenden gesunden Menschenverstand. Und als Charles Freck, der davon überzeugt ist, dass er ständig von Blattläusen wimmelt, besitzt Cochrane seine Ecke mit dezentem Charme. Sie haben keinen Zweifel, dass Freck auf seine ruhige Art der verrückteste Seetaucher auf dem See ist.

Es stellt sich heraus, dass diese antiken Szenen nur der Auftakt für noch seltsamere Entwicklungen sind, da Bob beginnt, dieses schwer fassbare große Bild und seinen ultimativen Zweck zu verstehen.

Der Rotoskopie-Prozess von Linklater unterstreicht diese ernste neue Welt mit pop-artiger Gruseligkeit. Sein dramatisch dämpfender Effekt, der die Höhen der theatralischeren Darbietungen abschneidet, aber die subtileren Elemente wie Cochranes Wendung nicht untergräbt, presst alles in einen einheitlichen Albtraum. Unter dieser flackernden Überlagerung können wir die Gefangenschaft und die tiefe Angst jedes Einzelnen spüren. Und Einsamkeit scheint betäubender, hoffnungsloser, als wir es uns jemals vorgestellt haben.

Ein Scanner dunkel(100 Minuten, in den Kinos der Gegend) wird mit R bewertet für Drogenkonsum, Cartoon-Nacktheit, Obszönität, sexuelle Inhalte und ein kurzes gewalttätiges Bild.