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Die Schule, die Weihnachten „verboten“ hat, sorgt in Deutschland für Aufruhr

BERLIN —Nennen Sie es die High School, die Weihnachten gestohlen hat.

Als die Ferienzeit näher rückte, unternahm die Verwaltung der Istanbul High School – einer Akademie in der mehrheitlich muslimischen Türkei, die teilweise von der deutschen Regierung finanziert wurde – einen sehr ungewöhnlichen Schritt. Es wies laut einer E-Mail des Nachrichtendienstes DPA an, Weihnachten in diesem Jahr unter Verschluss zu halten.

Keine Vermittlung von Weihnachtsbräuchen.

Proteinquellen ohne Fleisch

Keine Feiern.

Und schon gar kein Weihnachtslied.

Tatsächlich bestätigten deutsche Beamte, dass der Chor der Schule seinen traditionellen Weihnachtskonzertauftritt im deutschen Konsulat in Istanbul abgesagt hat.

Die Schule, an der viele Klassen auf Deutsch unterrichtet werden, ist in der Türkei angesehen und zählt mindestens drei türkische Ministerpräsidenten als Alumni. Dafür zahlen die deutschen Steuerzahler jährlich rund 1 Million Euro, und die Nachricht von den Beschränkungen löste schnell einen Aufruhr im Herzen Europas aus, wo eine Debatte über den konservativen Islam tobt.

Deutsche Politiker und Social-Media-Experten griffen die islamisch geprägte und autoritäre Regierung von Recep Tayyip Erdogan an, weil sie angeblich ein Umfeld in der Türkei – dem Geburtsort des Heiligen Nikolaus – geschaffen hatte, in dem Weihnachten politisch inkorrekt geworden ist.

[ Angela Merkel fordert weit verbreitetes Verbot islamischer „Vollschleier“]

In einer Erklärung, die inzwischen von ihrer Website entfernt wurde, bestand die Schulleitung darauf, kein Weihnachtsverbot verhängt zu haben. Vielmehr reagiere es auf Aktionen deutscher Lehrer – von denen etwa 35 an der Schule arbeiten –, die das Christentum zu fördern scheinen.

Die Schule sagte, sie habe Schritte unternommen, nachdem die Deutschlehrer mit Weihnachten und dem Christentum in einer Weise umgegangen waren, die der Lehrplan nicht vorsieht und die von außen betrachtet die Tür zu [Vorwürfen] der Manipulation öffnen, so deutsche Medien.

In einer E-Mail an The DNS SO lehnte Volker Schult, der Leiter der Deutschabteilung der Schule, eine Stellungnahme ab.

Aber viele andere Deutsche kommentierten.

Am Sonntag nannte das deutsche Außenministerium den Vorfall bedauerlich, selbst als Social-Media-Experten und Politiker des gesamten politischen Spektrums wütend waren.

Die Bundesregierung dürfe das Weihnachtsverbot der türkischen Behörden nicht akzeptieren, sagte Markus Söder, Mitglied der konservativen Christlich-Sozialen Union (CSU) der Tageszeitung Bild . Später fügte er hinzu, Erdogan breche bewusst die Brücken nach Europa.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte in einem Interview mit der Funke Mediengruppe, dass die Schulaktionen die Religionsfreiheit verletzen.

Täglich mit Berlin sprechen Der ­Tagesspiegel Am Sonntag forderte der Linkspartei-Abgeordnete Sevim Dagdelen Berlin auf, den türkischen Botschafter einzuladen und eine offizielle Protestaktion nach Ankara zu schicken.

Es zeige, wie weit der islamistische Wahn der AKP gehe, wenn sogar Weihnachten an einer mit deutschen Steuergeldern finanzierten Schule zum Tabu erklärt werde, sagte Dagdelen mit Blick auf die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung in der Türkei.

Als sich der Vorfall im 24-Stunden-Nachrichtenzyklus jedoch zu einem Vier-Alarm-Brand zu entwickeln schien, bemühte sich das Auswärtige Amt um Beruhigung. Am Montag betonte Ministeriumssprecher Martin Schäfer die Bedeutung langjähriger deutsch-türkischer Kulturbeziehungen und sagte, Deutschland stehe angesichts der jüngsten Terroranschläge an der Seite der Türkei.

Er zeigte sich überrascht, dass das Thema ein so großes Medienecho ausgelöst hatte.

Wir haben gestern den Medien mitgeteilt, dass wir es schwer verständlich fanden und überrascht waren, dass offenbar die Schulleitung die Anweisung gegeben habe, nicht über Weihnachten zu sprechen, Weihnachtslieder zu singen und nicht über das Thema zu diskutieren, sagte er. Aber das ist kein Weihnachtsverbot. . . . Niemand in der Türkei verbietet jedem, Weihnachten zu feiern.

Er fügte hinzu, dass es neue Gespräche zwischen der Schulverwaltung und türkischen und deutschen Beamten gegeben habe und dass das Problem wahrscheinlich in Kürze gelöst werde.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Schule Ihnen bald mitteilen wird, dass hoffentlich alle Missverständnisse ausgeräumt sind und natürlich auch die Lehrer dieser traditionsreichen Schule über deutsche Weihnachtsbräuche sprechen können, sagte Schäfer.

Türkische Politiker drängten unterdessen in den sozialen Medien zurück und argumentierten, dass das Thema übertrieben sei.

Ein Bild twittern von hell erleuchteten Weihnachtsbäumen in Istanbul schrieb der AKP-Politiker Mustafa Yeneroglu: Einige Beispiele für Weihnachtsverbotsbilder in der #Türkei. Soll ich nach Ramadan-Bildern in GER fragen?

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