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Es scheint einen Schatten von ...

Über jedem gelungenen Liebesgedicht scheint ein Schatten der Begierde zu liegen, ein Schatten des Geliebten. Der endgültige Verlust und das Verschwinden dieser Geliebten führt zu einer Poesie der Verlassenheit und Verzweiflung. (Philip Larkins späte, niedergeschlagene Lyrik der Lieblosigkeit kommt einem in den Sinn.) Wenn die Geliebte das Gedicht besucht, bekommen wir eine Poesie von freudiger Präsenz.

Hier ist das glückselige, liedhafte Gedicht 'L'amoureuse' des französischen surrealistischen Dichters Paul Eluard in der großartigen Übersetzung von Samuel Beckett. Das Gedicht erschien erstmals in Eluards Buch Dying of Not Dying (1924).

Lady Love Sie steht auf meinen Lidern

Und ihre Haare sind in meinen Haaren

Sie hat die Farbe meiner Augen

Sie hat den Körper meiner Hand

In meinem Schatten ist sie verschlungen

Wie ein Stein gegen den Himmel

Was ist Trumps Nettowert?

Sie wird niemals ihre Augen schließen

Und sie lässt mich nicht schlafen

Und ihre Träume am hellen Tag

Lass die Sonnen verdunsten

Und ich lache weine und lache

Sprich, wenn ich nichts zu sagen habe

Eluards Gedicht steht beispielhaft für die strahlende Präsenz, die das erfüllte Liebesgedicht zu überfluten scheint. Diese Überschwemmung ist ein Besitz, der so überwältigend ist, dass er einen entscheidenden Wechsel des Sprechers bewirken muss. Eine solche Verwandlung schreit danach, geäußert zu werden, und sie motiviert das Gedicht in Richtung des reinen Gesangs. Ich kann nicht anders, als zu bemerken, dass die Entwicklung in Eluards Lyrik von Liebe ist ('Sie steht auf meinen Lidern') zu Liebe hat ('Sie hat die Farbe meiner Augen') zu Liebe tut ('Und sie lässt mich nicht schlafen') zu lieben macht ('Und ihre Träume am hellen Tag/ Lass die Sonnen verdunsten'). Die Auslöschung der Tageslichtwelt macht den Redner völlig rückgängig und verursacht eine überwältigende Freude, einen schwindelerregenden Zusammenbruch: 'Und ich lache, weine und lache/ Sprich, wenn ich nichts zu sagen habe.' Ich freue mich über die letzte Zeile – „Sprich, wenn ich nichts zu sagen habe“ – die zeigt, dass eine innere Zurückhaltung nachgibt. Der Redner ist so köstlich erstaunt und ehrfürchtig von dem, was ihm passiert ist, dass er in unfreiwillige Rede ausbricht. Er bricht in Gesang aus. Und Lied ist Lob.

Einen ebenso majestätischen Geist des Lobes finde ich in dem sexy Liebesgedicht „We Did It“ des israelischen Dichters Yehuda Amichai. Amichai nimmt biblische Bilder und wendet sie phantasievoll auf die erotische Liebe an, die Dichter seit 'Das Hohelied' etwas skandalös machen. Der beschwörende Rhythmus verleiht dem Gedicht auch einen rituellen Sinn für das Heilige. Seine Textur ist sowohl alt als auch neu. Amichais Text hat eine grüblerische soziale Kehrseite ('Aber sie wollten nichts von uns wissen / Sie hatten unsere Sorte schon gesehen') und nimmt am Ende eine krasse Wendung.

Wir haben es geschafft Wir haben es vor dem Spiegel gemacht

Und im Licht. Wir haben es in der Dunkelheit getan,

Im Wasser und im hohen Gras.

Wir haben es zu Ehren des Menschen getan

Und zu Ehren des Tieres und zu Ehren Gottes.

wie man Blumentöpfe pflanzt

Aber sie wollten nichts von uns wissen,

Sie hatten unsere Sorte schon gesehen.

Wir haben es mit Fantasie und Farben gemacht,

Mit Verwechslung von rötlichen Haaren und Braun

Und mit schwerer Freude

Übungen. Wir haben es geschafft

Wie Räder und heilige Kreaturen

Und mit Wagenkunststücken von Propheten.

Wir haben es mit sechs Flügeln geschafft

Und sechs Beine

Aber der Himmel

Waren hart über uns

Wie die Erde des Sommers darunter. („Lady Love“ erschien zuerst in „Samuel Beckett, Collected Poems in English and French“, John Calder Ltd, London. Copyright © Samuel Beckett 1977. „We Did It“ erscheint in „Yehuda Amichai, Selected Poems“, übersetzt von Assia Gutmann und Harold Schimmel in Zusammenarbeit mit Ted Hughes, Penguin Books, Copyright © Yehuda Amichai, 1968, 1971. Übersetzungen Copyright © Celia Chaikin, 1968, 1971; © Harold Schimmel, 1971.)